„Ohne Bäume könnten wir nicht atmen“ – diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gehört. Bäume gelten als die grüne Lunge der Erde. Aber stimmt das wirklich so einfach? Und was leisten Bäume eigentlich genau für uns? Ein Blick auf die Fakten zeigt: Die wichtigsten Gründe, Bäume zu schützen, sind andere, als die meisten denken.
Kommt unser Sauerstoff wirklich aus dem Regenwald?
Viele glauben, der Regenwald liefere den größten Teil des Sauerstoffs, den wir atmen. Das klingt logisch, stimmt aber nicht ganz. Der allergrößte Teil des Sauerstoffs in der Luft stammt von winzigen Algen im Meer, dem sogenannten Phytoplankton. Ein ausgewachsener Wald verbraucht durch Atmung und die Zersetzung abgestorbener Pflanzen zudem fast genauso viel Sauerstoff, wie er tagsüber durch Photosynthese herstellt – über das Jahr gerechnet ist die Bilanz fast ausgeglichen.
Trotzdem sind Bäume enorm wichtig – nur aus einem etwas anderen Grund.
Bäume als Kohlenstoffspeicher
Bäume speichern gewaltige Mengen Kohlenstoff. Beim Wachsen nehmen sie Kohlendioxid aus der Luft auf und bauen daraus Holz, Wurzeln und Blätter. Ein einziger großer Baum kann über sein Leben mehrere Tonnen Kohlenstoff binden.
Wird ein Wald abgeholzt oder brennt er, wird dieser gespeicherte Kohlenstoff wieder frei – meist als Kohlendioxid. Deshalb tragen abgeholzte Wälder zur Erderwärmung bei, obwohl derselbe Wald vorher jahrzehntelang Kohlenstoff gebunden hatte.
Motor des Wasserkreislaufs
Bäume sind außerdem unverzichtbar für den Wasserkreislauf. Ihre Wurzeln nehmen Wasser aus dem Boden auf, das über die Blätter wieder verdunstet. Ein einziger großer Baum gibt an einem heißen Sommertag mehrere hundert Liter Wasser an die Luft ab. Das kühlt die Umgebung und sorgt für Wolken und Regen – oft weit entfernt vom Wald selbst.
Ihre Wurzeln halten zudem den Boden zusammen. Ohne Bäume wird Erde bei starkem Regen viel leichter weggespült, ganze Hänge können abrutschen und fruchtbarer Boden geht verloren.
Lebensraum für den Großteil aller Landlebewesen
Wälder sind Lebensraum für den Großteil aller Landtiere und Pflanzen weltweit. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Landlebewesen in Wäldern lebt – viele davon nur dort und nirgendwo sonst.
Auch in der Stadt ein spürbarer Unterschied
Auch in der Stadt machen Bäume einen großen Unterschied. Ihr Schatten und die Verdunstung können die Temperatur an heißen Tagen um mehrere Grad senken – manchmal spürbar mehr als jede Klimaanlage in der Umgebung. Selbst für unsere Gesundheit spielt das eine Rolle: Studien zeigen, dass Menschen, die in der Nähe von Bäumen und Grünflächen leben, oft weniger gestresst sind und sich schneller erholen, etwa nach einer Operation.
Diesen Effekt kann man sogar selbst spüren: Wer sich an einem heißen Tag ein paar Minuten in die pralle Sonne stellt und danach in den Schatten eines großen Baumes, merkt oft einen deutlich größeren Unterschied, als man erwarten würde – weil der Baum nicht nur Schatten spendet, sondern durch die Verdunstung zusätzlich kühlt.
Kurz zusammengefasst
Bäume liefern nicht den Großteil unseres Sauerstoffs – der kommt vor allem aus dem Meer. Aber sie speichern Kohlenstoff, halten den Wasserkreislauf am Laufen, schützen den Boden, kühlen ihre Umgebung und bieten unzähligen Arten ein Zuhause. Genug gute Gründe, um sie zu schützen.
