Schau dir mal deine Handgelenke an: Oft schimmern die Adern darunter bläulich. Heißt das, dass in unseren Venen blaues Blut fließt, das erst an der Luft rot wird? Ein weit verbreiteter Glaube – aber stimmt er auch?
Blaues Blut? Ein hartnäckiger Irrglaube
Viele Menschen sind überzeugt: Sauerstoffarmes Blut in den Venen sei blau und werde erst beim Kontakt mit Luft rot. Das klingt plausibel, ist aber falsch. Blut ist in unserem Körper zu jedem Zeitpunkt rot – egal ob es gerade Sauerstoff zu den Zellen transportiert oder Kohlendioxid zurück zur Lunge bringt. Es unterscheiden sich lediglich die Rottöne.
Warum Blut überhaupt rot ist
Verantwortlich für die Farbe ist Hämoglobin, ein Protein in den roten Blutkörperchen. In seiner Mitte sitzt ein Eisenatom, an das sich Sauerstoff binden kann. Bindet Sauerstoff an dieses Eisen, entsteht eine leuchtend hellrote Verbindung, so wie sie in unseren Arterien vorkommt. Gibt das Hämoglobin seinen Sauerstoff an die Zellen ab, ändert sich die Struktur der Verbindung leicht, und die Farbe wird dunkler – ein sattes Dunkelrot, wie man es vom venösen Blut kennt. Blau war das Blut also nie, nur eben etwas dunkler.
Warum Venen durch die Haut trotzdem blau wirken
Das liegt nicht am Blut, sondern an Licht und Haut. Sonnenlicht besteht aus Farben unterschiedlicher Wellenlänge. Rotes Licht dringt tief in die Haut ein und wird dort größtenteils von Blutgefäßen und Gewebe absorbiert. Blaues Licht hat eine kürzere Wellenlänge, dringt weniger tief ein und wird schon in den oberen Hautschichten stärker gestreut und reflektiert. Über tiefer liegenden Venen kommt dadurch bevorzugt das gestreute blaue Licht beim Auge an, während das Rot fehlt. Unser Gehirn interpretiert dieses Lichtgemisch dann als bläulich – obwohl das Blut selbst nie blau war.
Nicht überall ist Blut rot
Bei manchen Tieren stimmt die Grundannahme allerdings gar nicht erst. Krebstiere wie Hummer und auch Tintenfische nutzen statt Hämoglobin den Blutfarbstoff Hämocyanin, bei dem ein Kupferatom statt Eisen den Sauerstoff bindet – sauerstoffreiches Hämocyanin ist blau. Manche Skinke, eine Echsenart aus Neuguinea, haben sogar grünes Blut: Bei ihnen reichert sich ein grüner Gallenfarbstoff an, der die eigentlich rote Farbe des Hämoglobins vollständig überdeckt.
Selbst nachprüfen
Den Unterschied zwischen arteriellem und venösem Blut lässt sich übrigens leicht beobachten, ganz ohne Experiment. Beim nächsten Sonnenbad einmal auf die Venen am Handgelenk achten und mit der Farbe eines kleinen Schnitts oder Blutstropfens vergleichen. Der Blutstropfen ist immer deutlich rot – niemals blau, auch wenn er direkt aus einer Vene stammt.
Kurz zusammengefasst
Blut ist rot, weil das Eisen im Blutfarbstoff Hämoglobin zusammen mit Sauerstoff eine rote Verbindung bildet, die je nach Sauerstoffgehalt heller oder dunkler ausfällt. Venen erscheinen blau, weil unsere Haut rotes und blaues Licht unterschiedlich stark absorbiert und streut – nicht, weil dort tatsächlich blaues Blut fließt.
